Karnevalslieder

Willi Ostermann

Willi Ostermann

Dass Willi Ostermann (* 1. Oktober 1876; † 6. August 1936) auch heute noch populär ist, dass er in seinen Liedern weiterlebt, liegt daran, dass diese so aktuell sind wie vor hundert Jahren und sich in seinen Alltagsbeschreibungen heute wie damals jeder wiederfinden kann.

 

"Kölsch-Professor" Dr. Heribert Hilgers hat das einmal so erklärt: "Ostermann hat zwar nie die heile Welt geschildert, weil er alles so beschrieben hat, wie es war. Aber der Optimismus, der gerade durch die kölsche Sproch geprägt wird, hat den Menschen immer wieder Aufschwung gegeben und tut es auch heute noch." Ostermann kannte die kölsche Seele wie nur wenige. Er war viel mehr als nur ein Karnevalist, er hat auch echtes Volksliedgut geschaffen.


 

Das Leben von Willi Ostermann

 

Willi Ostermann wurde 1876 in Mülheim am Rhein geboren und starb 1936 in Köln. Er absolvierte eine Lehre als Elektriker, fand aber keinen Gefallen an dem Beruf und lernte um auf Galvanoplastiker und dann auf Druckplattengießer, bis er schließlich ganz zur Musik und auf die Bühne wechselte. Mit Willi Ostermann nahm die Geschichte des Karnevalsliedes einen neuen Anfang.

 

Der große Durchbruch im Karneval gelang ihm 1907 mit dem Lied "Däm Schmitz sing Frau es durchjebrannt", das zum Hit der Session wurde und zu einem echten Evergreen. Auch heute noch erschallt das Lied im Karneval. Bereits ein Jahr später gewann Ostermann den Preis für das beste Lied in Kölner Mundart. Von nun an komponierte und textete er zahlreiche Lieder und Karnevalsschlager, die er meist auch selbst vortrug. In seiner besonderen, charmanten Art stand er auf der Bühne und verzauberte mit seiner typisch heiseren Stimme sein Publikum, das begeistert mitsang.

 

Dabei war Ostermann gar kein ausgebildeter Musiker, er vermochte noch nicht einmal Noten zu lesen oder gar zu schreiben. Er sang oder pfiff seine Lieder jemandem vor, der dann für ihn die Noten zu Papier brachte. Oft war es sein Schwager und Kapellmeister Emil Palm, der dafür herhalten musste. So „komponierte“ Ostermann Jahr für Jahr zahlreiche Dauerbrenner, für die er von den Kölnern noch heute geliebt und verehrt wird.

 

Heute kennt jeder Kölner, ja jeder Rheinländer die Ikone des Kölner Heimat- und Karnevalsliedes. Seine Lieder sind nach wie vor in aller Munde und Allgemeingut, obwohl ihr Schöpfer schon vor über 70 Jahre verstorben ist. Willi Ostermann ist jedem Kölner, jedem Rheinländer ein Begriff; die Verehrung für ihn und sein Werk ist nahezu grenzenlos.


Willi Ostermann stammte aus einfachen Verhältnissen. Das hat ihn wohl auch dazu prädestiniert, die Gefühls- und Gedankenwelt der kleinen Leute in Text und Melodie so zu fassen, dass sich der Kölner darin wieder finden konnte. Die exakte Beschreibung des Milieus der damaligen Zeit, die Nöte und Sorgen der Menschen, Freud und Leid hat er auf unnachahmliche Art und Weise in seinen Liedtexten verpackt. Seine Lieder sind im besten Sinne volkstümlich, besinnlich, manches Mal melancholisch. Nie aber sind sie populistisch oder niveaulos.

Die Zahl der Lieder, die er der Nachwelt hinterlassen hat, ist Legende. Auf jeder Karnevalsitzung, bei jedem Straßenumzug und bei vielen Rheintouren werden sie gesungen. Bekannte Gruppen wie die Bläck Föss oder Sänger wie Ludwig Sebus intonieren immer wieder Lieder von Willi Ostermann; Musikkapellen nutzen die Melodien ebenso wie Traditionskorps und Tanzgruppen. Die Lieder sind Teil des Lebens in Köln.

In seinem Lied „De Winands han nen Has em Pott“ besang Willi Ostermann die ärmlichen Verhältnisse seiner Zeit: Als Sonntagsbraten musste mangels Alternativen eine Katze herhalten. In „Die Mösch“ beschrieb er einfühlsam, welchen Aufruhr ein Spatz in der Küche verursachte. Und das Bedauern des Kölners darüber, dass Karneval nur einmal pro Jahr stattfindet, nutzte er zu dem Lied „Denn einmal nur im Jahr ist Karneval“.

Eines seiner bekanntesten Lieder ist eine Ode an Köln und dessen verklärte Vergangenheit:

„Och wat wor dat fröher schön doch en Colonia“, ein Lied, das dem Kölner so recht zo Hätze jeiht (zu Herzen geht) und zu manch vorgerückter Stunde gern gesungen wird. Sein letztes Lied „Wenn ich su an ming Heimat denke…ich mööch zo Foß no Kölle jon“ fasst die Sehnsucht aller Kölner, insbesondere derjenigen, die fern der Heimat weilen, nach dem Dom und dem Rhein, nach kölscher Vertrautheit, zusammen und wurde sogar während des Krieges in den Schützengräben gesungen. Man kann wohl unterstellen, dass dieses Lied Pate gestanden hat für alle nachfolgenden Lieder verschiedenster Interpreten, die die Sehnsucht nach Köln ausdrücken.

 

Aber nicht nur auf kölsch texte er. Weit über die Grenzen seines Kölns hinaus und sogar bis ins Ausland berühmt wurde er druchseine Rheinlieder, die von Rhein, Wein und schönen Frauen handelten und für jedermann verständlich in Hochdeutsch verfasst waren. „Einmal am Rhein und dann zu zwei´n alleine sein“, „Rheinische Lieder, schöne Frau´n beim Wein“ und „Drum sollt ich im Leben ein Mädel mal frei´n“ entstanden in den 1920er Jahren zu einer Zeit, als der Fluss und seine romantischen Landschaften zu neuer Blüte kamen und eine Renaissance erlebten.


Die Verehrung der Kölner für Willi Ostermann kann man ermessen, wenn man sich in der Kölner Altstadt den 1939 eingeweihten Ostermann-Brunnen anschaut, auf dem man Reliefs vieler Figuren bestaunen kann, die er in seinen Liedern besungen hat. Die 1967 ins Leben gerufene Ostermann-Gesellschaft, die das Erbe dieses großen Kölners bewahrt, spielt im gesellschaftlichen Leben der Stadt eine bedeutende Rolle. Nicht zuletzt verleiht sie die von allen begehrte Willi-Ostermann-Medaille, deren Träger bedeutende Vertreter des Kölner Liedgutes sind. Willi Ostermann ist sogar in den Olymp der Kölner aufgestiegen: Seine Figur ziert neben anderen berühmten Persönlichkeiten wie Kaiser, Bischöfe, Dichter und Denker den Kölner Rathausturm, dem Wahrzeichen des stolzen Kölner Bürgertums.

 

 

Interessante Links


Willi Ostermann Gesellschaft
Webseite der Willi Ostermann Gesellschaft mit vielen interessanten Informationen.

 

Liste der Lieder von Willi Ostermann auf Kallendresser.de
Umfangreiche Liste der Lieder von Willi Ostermann, viele mit vollständigen Liedtexten.